Birkengruppe
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Fritz Overbeck

"Birkengruppe", 1892-1905

Öl und Tempera auf Malkarton

43 x 56,5 cm

Unbezeichnet
Expertise Dr. Katja Pourshirazi, Overbeck Museum,
Bremen, 28.7.2015
WVZ Fritz Overbeck, "Ölstudien auf Karton",
2. Auflage (in Vorbreitung), WVZ Nr.230

N9157

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Über das Werk

Zusammen mit Fritz Mackensen, Otto Modersohn, Hans am Ende, Carl Vinnen und Heinrich Vogeler gehörte Fritz Overbeck zur ersten Generation der Worpsweder Künstler. Otto Modersohn führte den 1869 in Bremen geborenen Maler nach dessen Studium an der Düsseldorfer Akademie 1893 in die norddeutsche Künstlerkolonie ein. Fortan prägte eine intensive Auseinandersetzung mit der weiten und ursprünglichen Heide- und Moorlandschaft bei Worpswede Overbecks künstlerisches Schaffen. Symptomatisch für seine meist menschenleeren Naturschilderungen sind die für die einsame und urwüchsige Landschaftskulisse so charakteristischen hellen Birkenstämme, die als ausdrucksvolle Bildelemente die Sicht auf die Landschaft beleben.
Ebenso im vorliegenden Gemälde: Zwischen den im grellen Sonnenlicht eines strahlenden Sommertages weißlich aufschimmernden Birkenstämmen gleitet der Blick des Betrachters über wechselnde Licht- und Schattenzonen von Feldern und Wiesen zum flachen Horizont, über den sich ein leicht bewölkter Sommerhimmel spannt. Zentrales Motiv der Komposition sind die hochaufragenden und formatfüllenden Birkenstämme im Vordergrund, deren Kronen vom oberen Bildrand überschnitten sind, so dass die rhythmische Reihung der unterschiedlich gebogenen und sanft ein- und ausschwingenden Stämme den Blick wie ein nahsichtig erfasster "Natur-Zaun" bannt und zugleich die tiefenräumliche Ausdehnung der Darstellung wirkungsvoll betont.
"Ein Hauch leiser Schwermut liegt ausgebreitet über der Landschaft. Ernst und schweigend umgeben weite Moore und sumpfige Wiesenpläne das Dorf (…)", schilderte Overbeck 1895 seine Eindrücke aus Worpswede und artikulierte damit seine introvertierte Naturauffassung. Nicht selten schwingt in seinen stillen Landschaften, die den besonderen Stimmungsgehalt und den einzigartigen Zauber der Gegend einfangen, ein melancholischer Unterton mit. Demgemäß erkannte Rilke in Overbecks Malerei eine "eigentümliche Schweigsamkeit, die kein Laut durchbricht". In stilistischer Hinsicht reflektiert das Gemälde beispielhaft Overbecks Beschäftigung mit der lebendigen Freiluftmalerei der französischen Impressionisten, aus der sein frühes Schaffen wesentliche Impulse empfing. Das Zusammenspiel von Licht, Luft und Atmosphäre ist mit lockerem Pinselduktus und aufgehellter Farbpalette aus der unmittelbaren Beobachtung auf die Leinwand gebannt. Auch die Vorliebe für unspektakuläre, scheinbar zufällige Landschaftsausschnitte verbindet Overbeck mit der Naturauffassung der Impressionisten und darf als typisch für seine Malerei gelten. Schließlich manifestiert sich in der von Licht und Farbe durchströmten Bildschöpfung, aus welcher Spuren des Menschen und der Zivilisation ausgeblendet bleiben, der für die Worpsweder Künstlerkolonie um 1900 so prägende Geist der "Zurück zur Natur-Bestrebungen" als freiheitlich motivierte Alternative zur herkömmlichen Akademiemalerei.
(Andreas Gabelmann)


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