Vorfrühling
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Otto Modersohn

"Vorfrühling", 1939

Öl auf Leinwand, rückseitig bemalt

56 x 74 cm / gerahmt, 74 x 91 cm

unten rechts signiert, datiert: "O. Modersohn 39."
Expertise Rainer Noeres vom 18. 08. 2015,
Otto Modersohn Museum, Fischerhude

- mit Modellrahmen -

N9162

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Über das Werk

Als Landschafter war Otto Modersohn auch ein Maler des Wetters und der Jahreszeiten. Mit seinen im Spätwerk in Fischerhude entstandenen Bildern verbindet man gemeinhin dunkle, verhangene, vom Nebel oder der Dämmerung getrübte Stimmungen des Herbstes und Winters. Da Modersohn von 1930 bis 1935 die Frühjahrs und Sommermonate im Allgäu verbrachte, erklärt sich für diese Zeit die Abwesenheit dieser jahreszeitlichen Fischerhuder Motive. Ab 1936 - er verlor in diesem Jahr sein rechtes Augenlicht durch Netzhautablösung - entstanden dann auch heiter gestimmte Frühjahrs- und Sommeransichten Fischerhudes und seiner Umgebung. Ab 1936 malte Otto Modersohn ausschliesslich im Atelier, nach Zeichnungen aus dem Skizzenblock und nach Kompositionszeichnungen, die allabendlich - Rilke nannte sie deshalb „Abendblätter” - aus tiefer Versenkung beim Schein einer Lampe entstanden. Für das Gemälde „Vorfrühling” findet sich allerdings im Skizzenblock keine direkte Vorzeichnung; wohl zwei Ansichten der Gärten, die allerdings von der Bildkomposition abweichen. Otto Modersohn imaginiert also in aller Freiheit und Phantasie eine Ansicht, die so von ihm nicht vorgefunden wurde. Das Bild entstand in nächster Nähe seines Ateliers. Er musste nur die Landstraße überqueren, um dieses Motiv bei seinem Nachbarn, dem Bauern Puvogel zu finden. An einem sonnigen Frühlingstag - vermutlich am 11. Mai - findet Otto Modersohn in den schon bestellten Bauerngärten Frauen beim Jäten der Salatbeete, der schon in den Reihen erste grüne Blätter treibt. Auch Erbsenbüsche und Bohnenstangen sind schon gesetzt. Die Apfelbäume blühen bereits, die hohen Eichen im Hintergrund treiben noch keine Blätter. Das Bild zeigt in allen Bereichen den Aufbruch und die Frische der keimenden Natur, über der sich ein seidiger, von Wolkenbändern durchzogener, blauschimmernder Himmel wölbt. Keine Vorahnung - der im Jahr der Entstehung dräuenden Katastrophe des 2. Weltkriegs - trübt die besonnte dörfliche Szenerie. Otto Modersohn bemalte häufig die Rückseiten verworfener oder ihm nicht so wichtiger Bilder vor allem in materiell für ihn schwierigen Zeiten. So auch in diesem Fall, allerdings ohne das nun zur Rückseite gewordene Bild zu verwerfen, d.h. es flächig zu übermalen und somit für nicht gültig zu erklären. Die Rückseite des Frühjarsbildes zeigt den Blick in das Ostrachtal oberhalb von Hindelang nach Osten, auf die vom Nachmittagslicht besonnten Hintersteiner Berge. Es entstand am Gailenberg, wo Otto Modersohn 1930 ein altes Bauernhaus erwarb, das dann während der Kriegsjahre zum zweiten Familiensitz wurde, der von seiner dritten Frau, Louise Modersohn-Breling bis zu ihrem Tod 1950 bewirtschaftet wurde. In den Jahren 1930 bis 1935 entstanden dort zahlreiche Bilder, die dem Maler der norddeutschen Ebene ungewohnte Sichtweisen und Bildfindungen abverlangten. Leiten in Fischerhude Wege und Straßen in die Szenerie hinein, führt hier der zum Hang verlaufende, ansteigende Weg von Vorderhindelang zum Galenberg im Vordergrund aus dem Bild heraus und zieht zunächst die Aufmerksamkeit auf sich, bevor er dann über das Tal auf die besonnte Bergkette im Hintergrund gelenkt wird. Die für die in Worpswede und Fischerhude typischen Fernblicke mit niedrigem Horizont und hohem Himmel werden durch Verstaffelung, verstellte Blicke und Talsichten abgelöst. Und doch bleiben auch diese Bilder der Gestimmtheit des Malers der norddeutschen Landschaft verhaftet. Diese Besonderheit im Schaffen Otto Modersohns harrt noch der Entdeckung.
(Rainer Noeres)


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