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Frierendes Mädchen

Ernst Barlach

"Frierendes Mädchen", 1916

Bronze

49 x 13,5 x 12,8 cm

links auf der Plinthe signiert "E. Barlach"
unten rechts auf der Plinthe Gießerstempel
"H. NOACK BERLIN"
Auflage: 25 nicht nummerierte Exemplare, Guss 1980er Jahre
Expertise Ernst Barlach Lizenzverwaltung, Ratzeburg
WVZ: Elisabeth Laur, Ernst Barlach, Das plastische Werk (Band II), Ernst Barlach Stiftung Güstrow, 2006,
WVZ-Nr. 243 mit Abb. S. 146.

N9167


Über das Werk

Barlach kannte das Phänomen zunächst nur langsam einkriechender, dann aber durchdringender Kälte schon aus seiner frühen Kindheit, nämlich von den nächtlichen Touren her, auf denen er als ältester Sohn seinen Vater, den praktischen Arzt Dr. Georg Barlach, auf seinen Fahrten zu Kranken begleitet hatte, besonders deshalb, weil sie nicht selten viel länger dauerten als geplant. In der Autobiographie "Ein Selbsterzähltes Leben" heißt es dazu prägnant: mein Vater ... "betrieb nach seiner eigenen Formulierung keine 'Dampfdoktorei' und vergaß an Krankenbetten frierende Pferde, Kutscher und Kind." - Im Ersten Weltkrieg, während seiner Reservistenausbildung, verstärkte sich sein Gespür für Kälte und Frost, weil er beides in beträchtlichem Maße erdulden musste.
Das 'Frierende Mädchen' berührt; wir spüren, dass Selbstempfundenes dahintersteht. Sie steht ruhig, beide Beine gleich belastend, vor uns, auf einer sehr kleinen Grundfläche: Es soll deutlich werden, dass sie der Kälte nicht entkommen kann. Es gibt keinerlei Durchblick, und die so besonders gefestigt wirkende Sockel- und Fußzone betont das Unausweichliche der Situation.
Durch die klein gewählte Standfläche lenkt Barlach den Fokus des Betrachters auf die Beantwortung einer Frage: Wie ist die Reaktion der jungen Frau auf das Vorhandensein großer physikalischer Kälte? Um eine überzeugende Umsetzung des selbstgewählten Themas zu erreichen, verleiht er dem Bedeutungszentrum des Gesichtes eindeutig den Hauptakzent, während das schlichte Gewand in seiner Wirkung zurücktritt. Das Mädchen trägt einen breiten Umhang, den sie mit beiden darunter verborgenen Händen so zum Gesicht hebt, dass das Tuch vorne zwei leicht übereinanderliegende, große Falten bildet. Auf einmal erscheint die Abwehrhaltung der Hände/Oberarme unter dem Gewand schlüssig; sie formen zusammen mit dem so gespannten Stoff eine Art Doppelschild, dessen optisches Gewicht durch die sichtlich eingezogene Schulter der Frau und die dadurch entstehende Kopfduckung verstärkt wird.
Entscheidend für die Frage, wie die junge Frau mit dieser Situation letztlich umgeht, sind ihre Gesichtszüge. Anstelle der nicht konvex dargestellten Augäpfel tragen zwei einfache Kerben die Gesamtaussage. Zu erwarten wäre eine harte, vielleicht verkniffene Miene, doch Barlach entscheidet sich für eine andere Akzentuierung. Die Weichheit ihrer Gesichtszüge betonen zwar die Verletzbarkeit und das Ausgesetztsein im harten Frost. Doch letztlich wirkt das frierende Mädchen nicht wie eine Verzweifelte; es überwiegt ein stoischer Eindruck, der gleichsam gedanklich nüchtern daherkommt: Es IST kalt, ich BIN dem Frost jetzt ausgeliefert, aber ich zerbreche nicht zwingend an dieser Situation.
Ein Gesamtblick aus größerer Entfernung verstärkt die Überzeugung, dass diese junge Frau ihrer misslichen Lage gewachsen ist. Sie befindet sich so sehr passend im Barlach’schen Motivkanon. Er zeigt uns häufig Einzelne, denen heftige Rück- oder Schicksalsschläge widerfahren. Diese erleben das aber nicht als Katastrophe, sondern als erkannte Notwendigkeit, sich - immer wieder - nicht unterkriegen zu lassen. Barlachs mit hoher psychischer Ausdruckskraft erfüllter Gestaltungswille legt auch hier diesen Schluss nahe. Über sich selbst schreibt Barlach "... ein frostiger Dezembermorgen kann ein Spiegel sein: wie man sich erkennt, so sei es hingenommen, und so muß es durchlebt werden."
(Horst Müller)


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