Tille im Wohnzimmer (Das unartige Kind)
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Otto Modersohn

"Tille im Wohnzimmer (Das unartige Kind)", 1913

Öl auf Leinwand

52 x 50 cm / gerahmt 70 x 68 cm
20.47 x 19.69 in / framed 27.56 x 26.77 in

doppelseitig bemalt, rückseitig: "Osterblumen", 1938
vorne unbezeichnet, rückseitig signiert, datiert "O Modersohn 38"
je eine Expertise für jede Bildseite
von Rainer Noeres vom 05. 10. 2015,
Otto Modersohn Museum, Fischerhude

- mit Modellrahmen -
Die Rahmung ermöglicht eine wechselseitige Aufhängung.

N9169

Nicht mehr im Angebot

Über das Werk

Gibt es schon in seinen Worpsweder Jahren Darstellungen seiner zweiten Frau Paula Modersohn-Becker (1876 - 1907) und seiner Tochter aus erster Ehe, Elsbeth (1898 - 1984), so häufen sich Familienbildnisse in den Fischerhuder Jahren von 1908 bis 1925 mit seiner dritten Frau Louise Modersohn-Breling, seinen Töchtern Elsbeth und Mathilde (1907 - 1998) und den Söhnen aus dritter Ehe, Ulrich (1913 - 1943) und Christian (1916 - 2009).
"Das unartige Kind" ist eines der Familienbilder Otto Modersohns. Das dargestellte Kind ist Mathilde Modersohn, genannt Tille, die Tochter Otto Modersohns aus der Ehe mit Paula Modersohn-Becker von 1901-1907. Die ersten vier Jahre ihres Lebens verbrachte Tille in Basel, in der Obhut der älteren Schwester Paula Modersohn-Beckers, Milly Rohland-Becker, die ebenfalls 1907 eine Tochter bekommen hatte und so in den ersten Lebensmonaten Tilles Amme sein konnte. Nach den schweren Schicksalsschlägen durch die Verluste seiner beiden ersten Ehefrauen, hielt Otto Modersohn nichts mehr im Worpsweder Trauerhaus und er zog 1908 nach Fischerhude, um sein Leben neu zu ordnen.
Seine dritte Frau Louise Breling, war die zweitälteste Tochter des Malers Heinrich Breling und ausgebildete Oratoriensängerin. Das Ehepaar beschloss im Frühjahr 1911, Mathilde zu sich zu nehmen. Man mag ermessen, was es für die Vierjährige bedeutete, zwei Fremden gegenüberzustehen, die behaupteten, ihre wirklichen Eltern zu sein, und zu denen sie von nun ab auch Vater und Mutter sagen sollte. Es muss für Sie ein Schock gewesen sein, nach den glücklichen Jahren unter dem Dach einer intakten Familie. Sie kam sich fremd und verlassen vor. Und andererseits wird es auch Otto Modersohn und seiner neuen Frau an zärtlicher Nähe, wie man sie nur zum eigenen Kind in den ersten Jahren entwickeln kann, gemangelt haben. Tille mag dies gespürt haben. Sie war ein widerständiges Kind, das eigentlich nur zurück zur eigentlichen Mutter nach Basel wollte. Louise Modersohn-Breling geriet ungewollt in die Rolle der "bösen Stiefmutter", nichts konnte sie der kleinen Ziehtochter recht machen. Zu ihrem Glück war da noch Elsbeth, Otto Modersohns Tochter aus erster Ehe mit Helene Schröder, deren verwandtschaftliche Beziehung der kleinen Tille aber auch fremd bleiben musste, lebte ihre Seelenschwester doch in Basel und hieß Jane.
Auch Elsbeth fühlte den Verlust ihrer Mutter, denn als solche empfand sie Paula Modersohn-Becker, schmerzlich, und fühlte sich zudem durch die neue Schwester, die als Tochter der berühmten Malerin so viel Aufmerksamkeit bekam, etwas verdrängt. War sie es doch bisher, die durch die Verewigung auf einigen Bildern Paulas vorher bestaunt wurde. Manch kleine Unbotmäßigkeit gegen die neue Frau an der Seite ihres Vaters wurde gemeinsam ausgeheckt. Die Folge einer dieser Streiche gegenüber der Stiefmutter mag dieses Bild sein. Schauplatz der Szene ist die "Gute Stube" im Fischerhuder Wohnhaus der Modersohns "Im Pool", das am westlichen Ortseingang Fischerhudes stand und 1931 abbrannte.
Das Mädchen sitzt auf einer hölzernen Bank aus der Manufaktur Heinrich Vogelers im Gegenlicht. Sein Gesicht ist verschattet. Tille sitzt nicht mittig, sondern etwas nach links versetzt. Hinter ihr das von blauer Wand gefasste Fenster mit dem Ausblick auf die Bauernhäuser der Nachbarschaft - auf der Fensterbank vier Blumentöpfe mit Azaleen und Geranien. Vor ihr der runde Tisch mit den Löwenfüßen, den Modersohn - zusammen mit Paula Modersohn-Becker - bei einem ihrer Besuche seiner Eltern in Münster von einem Antiquitätenhändler erworben hatte wie auch die dänische Standuhr links im Bild. Auffällig die rote, mit floralen Elementen bestickte Tischbedeckung mit einer Obstschale und das über der Lehne liegende gelbe "Paradekissen".
Das Interieur ist eines der farbigsten Bilder dieser Zeit, mit ausgewogenen Anteilen von Rot, Blau und Gelb und ist nicht nur deshalb eine Besonderheit im Werk Otto Modersohns. Nur in Worpswede malte er zuvor einen Ausschnitt seiner Wohnung, den "Durchblick in der Worpsweder Wohnung" von 1903.
(Antje Modersohn)


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