Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster
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Ernst Ludwig Kirchner

"Blumenstrauß mit Plastik vor Fenster", 1925

Aquarell auf Papier

44 x 32 cm / gerahmt 79 x 67 cm

rückseitig Nachlass-Stempel des Künstlers
und Nummerierung in Tinte "A Da/Ac 11",
mit Bleistift nummeriert "1042"

- mit Modellrahmen -

N9264


Über das Werk

Im Verlauf der frühen 1920er Jahre besserte sich Ernst Ludwig Kirchners labile seelische und körperliche Verfassung zusehends. Nicht zuletzt auch durch den Umzug vom Bauernhaus "In den Lärchen" in das geräumigere und komfortablere Haus "Auf dem Wildboden" am Eingang zum Sertigtal bei Davos im Herbst 1923 wichen frühere Ängste, Anspannungen und  Unsicherheiten einer gefestigten Lebens- und Arbeitssituation und einer neuer Schaffensfreude.
"Unser neues Häuschen ist eine wahre Freude für uns. Wir werden da gut hausen und in großer Ordnung. Dies soll wirklich ein Wendepunkt meines Lebens werden", notierte er im September 1923 erwartungsvoll in sein Tagebuch. Im künstlerischen Werk artikulierte sich eine stilistische Neuorientierung: Ab etwa 1924/25 wird Kirchners Bildsprache von einer zunehmenden Beruhigung des Ausdrucks bestimmt. Großflächige Formvereinfachungen und eine Verfestigung der Bildstruktur prägen zusammen mit farbintensiven Musterzonen, dekorativ-ornamental aufgefassten Einzelelementen und einem insgesamt strengen und klaren Bildaufbau die Wirkung der Arbeiten.
Ein schönes Beispiel für diesen Ausdruckswandel zum sogenannten "Teppichstil", wie Kirchners neue Gestaltungsweise um 1925 auch genannt wird, bietet das Aquarell "Blumenstrauss mit Plastik vor Fenster". Bildbeherrschend in den äußersten Vordergrund gerückt bannt ein großer Strauß Frauenherz in schlichter Henkelkanne auf einer geometrisch gemusterten Tischdecke den Blick des Betrachters. Im Hintergrund ragt als dunklere Silhouette eine Holzfigur vor der hellen Fläche eines knapp angeschnittenen Fensters empor. In diesem Stillleben schilderte Kirchner sein unmittelbares persönliches Lebensumfeld im Wildboden-Haus, wo sich eigenes Dasein und künstlerische Praxis als untrennbare, sich wechselseitig steigernde Einheit verbanden. So integrierte er immer wieder gerne seine Bilder und vor allem Skulpturen in die Kompositionen von Interieurs und Stillleben und beschwor damit eine dichte schöpferische Atmosphäre, erfüllt von Schönheit und Harmonie. Im vorliegenden Fall ergänzen und durchdringen sich Elemente der Natur, des Raums und der Kunst zu einem sinnlich ansprechenden Arrangement leuchtender Farben und intensiver Formen. Bei der nicht  eindeutig identifizierbaren Skulptur könnte sich um die um 1920 begonnene, unvollendet gebliebene "Weibliche Figur" (WVZ Henze 1920/06) aus der Sammlung des Kunstmuseum Chur handeln.
(Andreas Gabelmann)

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